Altersforschung

Auf der Suche nach ewiger Jugend

Wissenschaftler auf der ganzen Welt arbeiten an Methoden und Stoffen, die unsere Lebensspanne verdoppeln könnten. Welt der Wunder auf den Spuren der Unsterblichkeit.

Altes Ehepaar auf Fahrrädern

© istock/monkeybusinessimages

Der Traum von der ewigen Jugend ist so alt wie die Menschheit selbst. Jetzt wollen Alters-Forscher und Biologen den mythischen Jungbrunnen gefunden haben. Die Suche nach dem Elixier der Jugend spielt sich in unseren Zellen ab. Denn dort findet die langsame Zerstörung unseres Körpers statt - ein Prozess, den wir Altern nennen. Wäre es möglich diesen Prozess aufzuhalten, könnten wir ein wahrhaft biblisches Alter erreichen. In Laboren wurden bereits Substanzen getestet, die die Lebensspanne von Tieren verdoppeln können. Schon bald könnten diese auch an Menschen ausprobiert werden. Doch: Sind wir bereit für die Konsequenzen, die sich daraus ergeben?

Der Tod steckt in jeder Zelle

In unserem Körper gibt es Milliarden von unterschiedlichen Zellen. Die roten Blutkörperchen sorgen für den Transport von Sauerstoff. Die weißen Blutkörperchen beschützen uns vor Eindringlingen und vor allem, was uns krank macht. Andere Zellen erneuern sich so aktiv, dass sie ein Leben lang wachsen (zum Beispiel im Ohr oder in der Nase). Doch mit der Zeit verändert sich unser Körper: Die Zellen sterben ab, unsere Haut wird faltig, die Haare werden grau und unsere Sehkraft lässt nach. Gibt es irgendetwas, was wir tun können, um die Uhr des Lebens zurückzustellen?

Gefährliche Experimente mit Hormonen

Eine Geheimwaffe gegen das Altern sind menschliche Wachstumshormone. Während wir heranwachsen, schüttet unser Körper diese Hormone aus. Sie helfen, die Muskeln aufzubauen und das Gewebe zu reparieren. Mit etwa 25 sinkt jedoch der Hormonspiegel wieder. Schließlich, im hohen Alter, produziert der Körper nur noch eine kleine Menge dieser Wachstumshormone. Tatsächlich können Wachstumshormone unseren Alterungsprozess aufhalten. Mit zwei Spritzen am Tag und etwa 1.000 Euro im Monat lässt sich der Tod eine Weile austricksen. Es gibt jedoch ein enormes Risiko: Krebs! Wachstumshormone können Krebszellen regelrecht zum Wuchern bringen. Ein hoher Preis für die Jugend. Inzwischen allerdings sind die Forscher einer neuen Möglichkeit der Altersverlängerung auf der Spur...

So alt werden wie Methusalem

Was ist es, das uns altern lässt? Die Antwort ist erschreckend: Sauerstoff! Unsere Atmosphäre enthält rund 20 Prozent des gasförmigen Elements. Sauerstoff ist eines der reaktivsten Gase auf unserer Erde. Er ist nicht nur explosiv, sondern auch korrosiv - er lässt Dinge rosten. Wir brauchen ihn zum Leben, doch mit jedem Atemzug zerstören wir unseren Körper. Möglich wird das durch die Kraftwerke unserer Zellen, die so genannten Mitochondrien. Diese Zellen nehmen Sauerstoff auf und wandeln ihn in Energie für unseren Körper um. Ab und zu werden Teile des Gases unfreiwillig freigesetzt und nicht verarbeitet. Diese Sauerstoffpartikel nennt man „freie Radikale“. Sie können jede Zelle in unserem Körper beschädigen und sogar unsere Gene im Herzen der Zellen zerstören. Auch im Gehirn richten sie Schäden an, die im Laufe eines Lebens die Denk-Kapazität immer weiter vermindern.

Federleicht jung bleiben

Wellensittiche können für ihre Größe und Konstitution sehr alt werden. Manche von ihnen mehr als 18 Jahre. Ein einfaches Experiment zeigt den Forschern, warum: Zellen verschiedener Lebewesen werden purem Sauerstoff ausgesetzt. Im Gegensatz zu den Zellen anderer Tiere richtet der Sauerstoff bei den Zellen aus Vögeln kaum Schaden an. Vögel können dem Sauerstoff besser widerstehen, weil sie über eine wirksame Abwehr verfügen. Ihre Zellen sind vollgepackt mit so genannten Antioxigenen. Eine wirksame Waffe gegen freie Radikale.

Der Sensenmann wird arbeitslos

Wissenschaftler auf aller Welt suchen nach dem Elixier der Jugend. Im Buck Institut (Kalifornien, USA) glauben die Forscher an die Kraft der Antioxigene. Erste Versuche mit den entwickelten Stoffen lieferten überragende Erfolge: Das künstlich hergestellte Antioxigen erhöhte die Lebensdauer von Fadenwürmern auf das Doppelte. Dr. Simon Melov vom Institut ist überzeugt: „Wir nehmen an, dass dies bei einem Säugetier auch funktionieren muss.“ Erste Tests an Mäusen haben ergeben, dass auch hier ein Effekt bemerkbar ist. Die Wissenschaftler glauben fest daran, auf der richtigen Spur zu sein, und planen in nicht allzu ferner Zukunft weitere Tests – an Menschen. Sollte die Wissenschaft uns eines Tages tatsächlich die Möglichkeit liefern, den Sensenmann arbeitslos zu machen? Selbst wenn, so bleiben wichtige Fragen: Wollen wir wirklich ewig leben? Zu wissen, wie wir den Tod überlisten können, wird eine geringere Rolle spielen, als die Tatsache, was wir mit diesem Wissen anfangen.
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