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Auf ledernen Sohlen: Der lange Weg des Schuhwerks

Schuhe sind weit mehr als ein simples Bekleidungsstück. Sie zeigen die Lebenseinstellung, den gesellschaftlichen Status und die modischen Vorlieben ihres Trägers.

Mann putzt seine Lederschuhe

© iStock/Mikko Lemola

Seit Jahrtausenden umhüllen Menschen ihre Füße mit Leder. Und schon immer waren Schuhe mehr als ein simples Bekleidungsstück: Ob Schnabelschuhe oder hohe Absätze – jede Zeit entwickelte ihre modischen Vorlieben. Manche Kulturen münzten Schuhe gar in Folterinstrumente um. In China etwa mussten Frauen einst winzige Schuhe aus Seide tragen. Ihre Füße konnten dadurch nicht mehr wachsen und verkrüppelten. Der Grund: Männer fanden besonders kleine Füße erotisch. Unter dem Begriff „Lotusfüße“ gingen sie dann in die Geschichte ein.

Statussymbol der Reichen

Die Geschichte des Schuhs reicht weit zurück. Felsmalereien zeigen, dass unsere Vorfahren Lederlappen um ihre Füße banden, um sie vor Kälte und Nässe zu schützen. Von den Ägyptern wissen wir, dass sie Sandalen trugen, die – je nach gesellschaftlichem Status – sogar vergoldet sein konnten. Das ist 5.000 Jahre her. Griechen und Römer kleideten sich schließlich mit Stiefeln und Ledersandalen. Die Antike kannte bis zu sechzig unterschiedliche Schuhmodelle. Längst waren sie mehr als nur eine praktische Bekleidung, sie waren ein Zeichen von Wohlstand. Je reicher ein Römer war, desto aufwändiger und prunkvoller waren seine Schuhe.

Im Mittelalter wiederum waren Schnabelschuhe en vogue. Diese ausgefallene Form war ein Mitbringsel aus den Kreuzzügen im Orient. Die Kirche lehnte diese Mode zwar als heidnisch ab, doch dem Adel gefiel sie. Auch hier galt: Je reicher der Träger, desto spitzer und prunkvoller sein Schuh. Nur Klerus, Adel und reiche Bürger konnten sich überhaupt Schuhe leisten. Das gemeine Volk hingegen ging barfuß.

Von der Masse abheben

Im späten Mittelalter und der beginnenden Renaissance setzten sich schließlich hohe Absätze durch: Der Plateauschuh war geboren. Absätze mit einer Höhe von bis zu fünfzig Zentimetern dienten nicht nur als Schutz vor Straßenschmutz. Solche „Chopinen“ ließen ihre Trägerinnen auch deutlich aus der Menschenmenge herausragen. Meist waren es Prostituierte, die mit den stelzenartigen Schuhen Aufmerksamkeit erreichen wollten. Erfunden wurden Absätze vermutlich um 1600 in Persien – doch genau geklärt werden konnte das nie. Möglicherweise gaben sie Reitstiefeln mehr Halt in den Steigbügeln.

Der europäische Adel fand sie zu Beginn des 18. Jahrhunderts besonders schick. Mehr und mehr entwickelten sich Schuhe zu filigranen Kunstwerken aus Leder, Samt und Seide. Sie waren Statussymbole der Reichen und Mächtigen. Doch die Dekadenz der Adligen endete in den Jahren nach der Französischen Revolution. Im Jahr 1789 rollten nicht nur Köpfe, sondern auch Absätze. Da sie als typisch adliges Modeaccessoire galten, wurden sie schlicht verboten – und flaches, bequemes Schuhwerk setzte sich durch.

Beginnende Serienproduktion

Das 19. Jahrhundert brachte schließlich die Ledernähmaschine hervor. Nun konnten Schuhe erstmals maschinell gefertigt werden und wurden so für alle Gesellschaftsschichten erschwinglich. Doch auch heute noch kann der Träger mit einem Schuh seinen gesellschaftlichen Status, eine Einstellung oder eine Gruppenzugehörigkeit demonstrieren – sei es mit High Heels, Springerstiefeln oder Jesuslatschen.
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