WEINANBAU

Berühmte Winzer: Die Menschen hinter den Weinen

Günther Jauch, Antonio Banderas oder das einstige Traumpaar „Brangelina“ sind allein wegen ihres Promistatus wohl die bekanntesten Winzer - zumindest unter Laien. Aber was ist eigentlich mit den Weinbauern, die für international renommierte Weine sorgen?

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Möglicherweise ist es ein Trend, der irgendwann wieder vorübergeht. Dennoch lässt sich kaum von der Hand weisen, dass es eine immer größere Zahl an Stars in die Weinbranche zieht. Hierzulande war Günther Jauch einer der ersten Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, die sich nebenher als Winzer versuchten. Inzwischen ist das auch international beliebt, die Riege der Stars mit Weinaffinität umfasst mit Sting, dem Simply Red-Sänger Mick Hucknall, Gerard Depardieu, Antonio Banderas, dem Regisseur Francis Ford Coppola und den unlängst geschiedenen Brad Pitt und Angelina Jolie einen recht großen Ausschnitt aus dem Who-is-Who der Medienwelt.

Verborgene Experten

Hinter den wirklich hochklassigen Weinen stecken aber andere Menschen, von denen nur die wenigsten Namen bekannt sind. Rothschild wird den meisten Menschen noch geläufig sein, danach bewegt man sich als Laie und Gelegenheits-Weintrinker schon auf weitestgehend unbekanntem Terrain, in dem ansonsten nur noch ausgewiesene Experten unterwegs sind. 

Dabei stehen hinter den Weinen und dazugehörigen Weingütern wirklich faszinierende Persönlichkeiten und teilweise lange zurückreichende Geschichten. Die Anfänge des italienischen Amarone, die auf das Missgeschick eines jungen Kellermeisters zurückgehen sollen – sie sind wohl ein bloßer Mythos. Aber mancher Mythos, wie etwa der Mouton-Rothschild hat eben doch einen wahren Kern, der wiederum untrennbar verknüpft ist mit den verantwortlichen Gründern und maßgeblichen Gestaltern namhafter Weingüter.

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1. Baron Philippe de Rothschild, Chateau Lafite-Rothschild, Frankreich

Der aktuelle Baron de Rothschild, mit vollem Namen Éric Alain Robert David de Rothschild, übernahm 1974 im Alter von 34 Jahren die Geschicke des weltberühmten Weinguts Château Lafite-Rothschild. Bis dahin hatte sein Onkel Élie Robert die Leitung inne. Die Geschichte der Familie reicht allerdings sehr viel weiter zurück bis ins 18. Jahrhundert. Seither ist die Familie im Finanzwesen tätig. Ab dem 19. Jahrhundert stieg sie zu den einflussreichsten Finanziers in Europa auf. 

Zu dieser Zeit etwa, so die Geschichte, änderte der Frankfurter Bankier Amschel Mayer seinen Namen in Rothschild – tatsächlich lässt sich die Verbindung schon sehr viel weiter zurückverfolgen, bereits 1567 erbaute einer der Vorfahren das Haus „zum Roten Schild“ in Frankfurt. Als Familienname war das dennoch wohl erst einige hundert Jahre später in Gebrauch.

Der Einstieg in den Weinanbau

Mit ähnlicher Verzögerung begann die Ausweitung der Familiengeschäfte auf den Anbau von Wein. Die geht auf Nathaniel Rothschild zurück, der im Jahr 1853 das Château Brane-Mouton (ab dann Mouton-Rothschild) bei Bordeaux erwarb. 1868 kam das wahrscheinlich bekannteste Weingut überhaupt hinzu: das Château Lafite-Rothschild. In den Folgejahren wurde der Besitz von Weingütern fortwährend erweitert, Neuzugänge waren Château Clarke und Château Malmaison 1873 sowie das Château Peyre Lebade.

Die daraus entstehende Erfolgsstory ist gerade in ihren Anfängen tatsächlich eine Geschichte wert. Denn obwohl die Weine von Mouton-Rothschild schon innerhalb des ersten Jahres nach dem Besitzerwechsel in der preislichen Liga der renommierten regionalen Weine mitspielen konnten, blieb ihnen die erhoffte Klassifikation vorerst verwehrt: Die Einordnung für Bordeaux-Weine wurde anlässlich der Weltausstellung 1855 zum ersten Mal vorgenommen, auf Grundlage der durchschnittlichen Verkaufspreise der letzten 30 Jahre. Da half dann auch der eher sprunghafte Anstieg der letzten beiden Jahre nur wenig, um den Durchschnittswert auf das erforderliche Maß zu heben. 

„Erster darf ich nicht sein, Zweiter will ich nicht sein – ich bin Mouton.“

Das Ergebnis: Dem Mouton-Rothschild (anders als dem Familien-Rivalen Lafite-Rothschild) blieb der erste Rang verwehrt und er erhielt lediglich die Einstufung als „Deuxième Cru“. Es dauerte dann wirklich noch 120 Jahre, bis der Aufstieg zum „Premier Cru“ im Jahr 1973 gelang. Was den damals für das Weingut verantwortlichen Philippe dazu bewog, das Motto für den Wein gemäß seines Aufstiegs in die Spitzenkategorie in „Erster bin ich, Zweiter war ich, Mouton ändert sich nicht“ umzuschreiben. 

Das spricht einerseits von mehr als nur einem gewissen Selbstbewusstsein, an dem es Baron Philippe sicherlich selbst nicht mangelte. Nachvollziehbar, immerhin ist der Aufstieg des Moutons zur Weltmarke eng mit seinem Namen verbunden. Er führte die Schlossabfüllung ein, genauso wie die Tradition, die Flaschenetiketten von berühmten Künstlern gestalten zu lassen. Das sind gewichtige Gründe, um den Namen Baron Philippe de Rothschild im Gedächtnis zu behalten.

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2. Wilhelm Weil, Weingut Robert Weil, Deutschland

Offenbar eignet sich der Weinbau überaus gut für Gelehrte, denn wie der promovierte Physiker Philippe de Rothschild, konnte auch der gleichnamige Gründer des Weinguts Robert Weil einen akademischen Titel vorweisen. Anders als sein jüngerer französischer Winzerkollege war Robert Weil (Bild) Doktor für Deutsch, was er an der prominenten Pariser Sorbonne lehrte, zumindest bis zum Ausbruch deutsch-französischen Krieges 1870. 

Bereits mit 24 Jahren erwarb Weil seine ersten Weinberge im hessischen Kiedrich, gelegen im Rheingau-Taunus-Kreis, wo der Rhein die natürliche Grenze zwischen Hessen und Rheinland-Pfalz bildet – sozusagen in Steinwurfweite von Mainz entfernt. Zur Heimat wurde der Ort allerdings erst, nachdem er das Kiedricher Anwesen des adeligen Kunstmäzen Sir John Sutton gekauft hatte. Das war im Jahr 1875 und spätestens seit diesem Zeitpunkt trieb Robert Weil die Entwicklung seines Weinguts voran.

Aus dem Rheingau in die Metropolen

Der Lohn der Mühen waren Riesling-Auslesen, die es bis an die europäischen Kaiser- und Königshäuser schafften und sich auch in nicht-adeligen Kreisen solcher Beliebtheit erfreuten, dass sie in den Grand Hotels wie dem Berliner Adlon kredenzt wurden. Einen wahren Höhenflug erfuhr ein 1920er Kiedricher Gräfenberg Trockenbeerenauslese Bestes Fass Nr. 20, die im Jahr 1928 an Bord des Zeppelins „LZ 127 Graf Zeppelin“ dessen Jungfernfahrt nach New York begleiten dürfte.

Mittlerweile zeichnet sich Robert Weils Urenkel Wilhelm Weil für die Leitung von Kiedricher Klosterberg, Kiedricher Turmberg und dem Kiedricher Gräfenberg verantwortlich. Der erkannte schon früh die Vorzüge der eigenen Erzeugnisse und ist sich schon deshalb der Bedeutung der Tradition, in der er als Vertreter der vierten Generation steht, durchaus bewusst. Das gilt sowohl für den internationalen Ruf des Weinguts, wie auch für den Anspruch an die Qualität des eigenen Produkts.

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3. Angelo Gaja, Italien

So wie der Sport oder die Musikwelt hat auch die Weinbranche ihre lebenden Legenden. Darunter ist inzwischen auch Angelo Gaja zu zählen, der maßgeblich an der (Um-)Gestaltung des Weinbaus im Piemont beteiligt war. Heute wird er bisweilen als der „Armani unter den Winzern“ gehandelt, eine Auszeichnung, die aus verschiedenen Gründen nicht selbstverständlich ist. Zum einen, weil sie nicht nur sein eigener Verdienst ist, sondern auf einer ebenfalls mehrere Generationen zurückreichenden Tradition zurückblickt. Zum anderen, weil sie zugleich einher geht mit dem Mut, zu gegebener Zeit mit den Traditionen zu brechen. 

Qualität als Familientradition

Das Weingut Gaja in Barbaresco besteht bereits seit 1859, die eigenen Weine wurden zunächst in einer von der Familie selbst betriebenen Taverne ausgeschenkt. Die nachfolgende Generation mit Angelos gleichnamigen Großvater setzte dann konsequent auf Qualität – und machte den Markennamen bekannt. Angelos Vater trieb dann die Ausdehnung des Weingutes voran, aus den ursprünglich überschaubaren zwei Hektar wurden so über 80 Hektar.

Auf dieser Grundlage baut seit 1961 also Angelo Gaja. Aber die internationalen Erfolge, die er vorzuweisen hat, sind dennoch auch nur teilweise auf diese günstige Ausgangssituation zurückzuführen. Richtig ist, dass der studierte Winzer die Familientradition fortführt. Allerdings mit kaum mehr traditionell zu nennenden Methoden. Das macht ihn gleichzeitig nicht nur zu einer der bekanntesten Persönlichkeiten unter den internationalen Winzern, sondern auch zu einer der kontroversesten.

Erneuerung durch Traditionsbruch

Denn der Erfolg resultiert auch aus einem Bruch mit der Tradition, die ansonsten im Piemont sehr groß geschrieben wird. Vor allem von Seiten des Vater und der Einheimischen stieß Angelo mit seiner Umformung des heimischen Weinbaus nach französischem Vorbild auf Gegenwind. 

Der Aufstieg des kleinen Barbaresco zu einem der Zentren internationaler Weinkultur gibt ihm freilich Recht – und bei allen Neuerungen bricht Angelo Gaja auch nur soweit mit der Tradition, wie es für eine bessere Qualität notwendig ist. Die Verantwortung hierfür hat er inzwischen aber weitgehend an die nächste Generation weitergegeben, seine Töchter Gaia und Rosanna leiten das Unternehmen, der jüngste Sohn Giovanni wird ebenfalls dazu stoßen. Angelo selbst gibt sich lieber als Rentner.

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Noch mehr Geschichte(n)

So sehr das vorgestellte Trio auch aus der großen Zahl der Winzer herausragen mag, es steht doch im Grunde genommen nur beispielhaft für eine Reihe illustrer Persönlichkeiten, die sich um den Wein verdient machen. Nicht immer mit den großen Erfolgen, die die genannten Herren erzielen konnten und bisweilen unter zweifelhaften Voraussetzungen. Wie etwa die Geschichte von Georg-Anton Wasch aus dem schwäbischen Geislingen zeigt: Den zog es in jungen Jahren nach Argentinien, dem Politologie-Studium in Buenos Aires folgte der politische Aufstieg und 1944 die Namensänderung in Antao Vaz sowie eine allzu innige Verbindung zu Evita Peron, die ihm schließlich in 1950ern das Exil auf St. Hercule & Poirot in der Karibik einbrachte. 

Hier unternahm er große Bemühungen um einen karibischen Weinanbau, den er mit gebührender Bescheidenheit nach sich selbst benannte. Die Rebsorte lässt sich mittlerweile in Portugal in der Region Alentejo finden.

Die Hintergründe anderer Weingüter, wie etwa der das Weingut Scharzhof von Egon Müller IV oder die Domaine de la Romanée-Conti von Aubert de Villaine sind zwar weniger schillernd als die Geschichte von Antao Vaz. Nichtsdestotrotz verdienen sie Beachtung, weil sie elementar zum Verständnis der Faszination des Weines beitragen, mit denen ihre Namen nun einmal untrennbar verbunden sind.
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