Wirtschaft

Digitale Transformation im deutschen Mittelstand

Die zunehmende Digitalisierung von Produktions- und Arbeitsprozessen stellt gerade kleine und mittelständische Unternehmen (KMUs) vor große Herausforderungen. Zahlreiche Studien zeigen, dass digitales Arbeiten bei Mittelständlern nach wie vor wenig verbreitet ist.

© iStock-Rawpixel

Bei dem Schlagwort Digitalisierung denken viele an Roboter, vollautomatische Produktionsprozesse oder High-Tech Lösungen, die die menschliche Arbeitskraft überflüssig machen. Dabei fängt Digitalisierung schon weit vorher an etwa bei der Firmen-Homepage, einer schnellen Internetverbindung, der Nutzung von Social Media oder automatisierter Datenverarbeitung. Wer allerdings denkt, dass diese sogenannte erste Stufe der Digitalisierung in jedem modernen Betrieb vorherrscht, der irrt. Eine Studie der KfW-Bankengruppe aus dem Jahr 2016 zeigt: Der deutsche Mittelstand steht noch ganz am Anfang. 

Achillesverse im deutschen Mittelstand?

Zwar ergab die Studie, dass immerhin vier von fünf kleinen und mittleren Unternehmen in den zurückliegenden drei Jahren Digitalisierungsprojekte umgesetzt oder in neue Technologien (z.B. Hardware, Software oder IT-Sicherheit) investiert haben. Jedoch sind diese Investitionen sehr überschaubar. In Zahlen bedeutet das: Kleine Unternehmen mit unter zehn Beschäftigten gaben etwa 10.000 Euro im Jahr aus, bei großen Mittelständlern (<150 Beschäftigte) waren es 100.000 Euro.

Das lässt vermuten, dass vor allem kleine Betriebe enorme Kosten fürchten, die mit den Transformationsprozessen einhergehen. Den Studienergebnissen zufolge trifft das auch bei 59 Prozent der Unternehmen zu. Dabei ist nicht mal eine massive Investition auf einen Schlag erforderlich, um die Digitalisierung in der eigenen Firma voranzutreiben. „Der wichtigste erste Schritt wird sein, dass man sich überhaupt mit dem Thema beschäftigt. Es ist ein ganzes Bündel von Entwicklungen, die da stattfinden“, ist Prof. Dr. Walter Jakoby von der Fachhochschule Trier überzeugt. (Das ganze Interview finden Sie weiter unten als Video.) Auch die Studie der KfW kommt zu dem Ergebnis, dass Digitalisierung insgesamt noch nicht im Mittelstand als relevantes Thema wahrgenommen ist.

Digitalisierung fängt bei der Internetverbindung an

Aber was hemmt Mittelständler, das digitale Zeitalter in ihrem Betrieb einzuläuten? Bei 67 Prozent der befragten Unternehmen ist dies auf mangelnde IT-Kompetenzen zurückzuführen. Neben den hohen Kosten haben 62 Prozent der Betriebe auch Bedenken in Bezug auf Datenschutz und Datensicherheit – so glauben sie, dass wichtige Informationen vor unerlaubten Zugriff eher geschützt sind, wenn sie analog abgespeichert sind. Ein weiterer großer Aspekt ist eine zu geringe Internetgeschwindigkeit – immerhin war auch dies bei 59 Prozent der Unternehmen der Fall. Die Folge: „Bereits heute ist die Gesamtwirtschaft dem Mittelstand bei der Produktivität um das Vierfache voraus. Da klafft eine große Lücke“, sagt Dr. Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der KfW.
Insgesamt können alle Branchen von der digitalen Transformation profitieren. Und zwar auch die kleinen – nicht produzierenden – Firmen. Sie können das Potenzial nutzen, indem sie z.B. spezifische Automatisierungslösungen für produzierende Unternehmen entwickeln. „Viele Mittelständler konnten erst dadurch entstehen, weil sie neue Technologien aufgegriffen haben. Ein innovatives Unternehmen greift solche Dinge auf und kann damit auch wesentlich schneller reagieren, als ein Großkonzern“, sagt Dr. Jakoby.

Vorreiter noch in der Minderheit

Allerdings sieht die Realität noch anders aus: Der KfW-Studie zufolge sind die Grundvoraussetzungen wie ein eigener Internetauftritt nur unterdurchschnittlich verbreitet. Digitale Vorreiter, d.h. Unternehmen, die bereits auf digitale Produkte, Dienstleistungen, Apps oder Industrie 4.0 setzen, stellen mit einem knappen Fünftel des Mittelstands die Minderheit dar.
 
Immerhin können die digitalen Vorreiter unter den KMUs als Positivbeispiel dienen, so dass andere Firmen nachziehen. Ein Beispiel dafür ist die Arend Prozessautomation GmbH. Der Pionier stellt bereits seit über 25 Jahren Industrie-Automation her, also Lösungen, die die gesamte Wertschöpfungskette produzierender Unternehmen digitalisiert und vernetzt. „Wir wollen ab dem nächsten Jahr verstärkt solche Unternehmen ansprechen, wo Produktionsprozesse ablaufen – um diese zu digitalisieren, zu automatisieren oder eventuell Roboter einzusetzen“, sagt Geschäftsführer Prof. Dr. h.c. Axel Haas. Denn er ist überzeugt, dass „der Drang zur Automatisierung weiter vorangehen wird.“ 

Ein aktuelles Projekt ist beispielsweise die Entwicklung eines kompakten Datensammlers mit integriertem Verschlüsselungs-Chip, mit dem die digitale Anbindung alter wie neuer Maschinen sehr einfach und sicher erfolgt. Der „ARENDAR“ ist virensicher, weist eine verschlüsselte Kommunikation auf und schützt die Steuerung vor externem Zugriff.

Investition in die Zukunft: Industrie 4.0.

Darüber hinaus plant das Unternehmen, in den stark wachsenden Robotik-Markt zu investieren. Ein visionäres Thema, das viele nach wie vor abschreckt. Zu groß ist die Angst, Maschinen könnten irgendwann den Menschen komplett ersetzen. Arbeitslosigkeit durch die Industrialisierung 4.0? Professor Jakoby hält dagegen: „Es wird natürlich so sein, dass bestimmte menschliche Tätigkeiten durch Roboter, Geräte und Maschinen ersetzt werden. Aber auf der anderen Seite müssen ja auch die Roboter entwickelt werden, sie müssen programmiert werden, die Einsatzfälle müssen individuell zugeschnitten werden und das wird auch wieder Arbeitsplätze schaffen.“ Ein Potential, welches bisher nur eine Minderheit im deutschen Mittelstand erkannt hat.
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