Christentum

Frühe Päpste: Die Erben des Petrus

Wie sahen die Anfänge des Papsttums aus? Und was ermöglichte es den frühen Päpsten, ihre Stellung zu sichern und auszubauen?

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„Du bist Petrus, der Fels, und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen...“ So beginnt die Passage aus dem Matthäus-Evangelium, auf welche die Päpste ihren Anspruch auf die Führung der Kirche bis heute stützen. Denn sie verstanden sich stets als Nachfolger des Apostels, der in Rom den Märtyrertod erlitten haben soll. Mit Geschick, Sendungsbewusstsein und dank günstiger Umstände gelang es den frühen Päpsten, zur höchsten Entscheidungsinstanz in der abendländischen Christenheit zu werden – und zu einem immer gewichtigeren Machtfaktor der europäischen Politik.

Die Evangelien erzählen davon, wie Jesus predigend durch das antike Palästina zog, von den römischen Besatzern gekreuzigt wurde und von den Toten auferstand. Ob gewollt oder ungewollt – der Nazarener wurde zum Begründer einer neuen Religion, die sich rasch im gesamten römischen Reich verbreitete.

Die Christen als Sündenböcke

Konflikte mit anderen Teilen der Bevölkerung und der Staatsmacht blieben nicht aus, nicht zuletzt weil die Christen den vorgeschriebenen Kaiserkult ablehnten. Doch ein besonders grausames Kapitel früherer Christenverfolgung hatte einen anderen Grund: Nachdem im Jahr 64 große Teile Roms den Flammen zum Opfer gefallen waren, geriet Kaiser Nero selbst in den Verdacht, die Brände gelegt zu haben. Er brauchte einen Sündenbock – und fand ihn in den Christen der Stadt. Die Beschuldigten wurden im Park des Nero als Zirkusattraktion ans Kreuz geschlagen, von Hunden zerfleischt oder erleuchteten als lebende Fackeln die Nacht.

Der Legende nach sind damals auch Petrus und Paulus ums Leben gekommen. Paulus soll als römischer Bürger enthauptet, Petrus dagegen als Ausländer gekreuzigt worden sein. Über sein – mutmaßliches – Grab wölbt sich seit Jahrhunderten die Kuppel der Peterskirche.

Direkt von Jesus eingesetzt

Unter Historikern ist allerdings umstritten, ob der Apostel tatsächlich in Rom gewesen ist. Seine „Nachfolger“, die Päpste, jedenfalls betrachteten Petrus als den ersten Bischof von Rom. Da er direkt von Jesus eingesetzt worden sei, so ihr Anspruch, komme dem Oberhirten der Metropole der Vorrang zu – vor allen anderen Bischöfen dieser Welt.

Über die ersten Päpste wissen wir wenig. Namen wie Linus oder Anacletus verraten, dass sie mit Sicherheit nicht aus den führenden römischen Familien stammten. Manchen gelang es, sich durch geschicktes Taktieren mit der Staatsmacht zu arrangieren, andere kamen gewaltsam ums Leben. Immer wieder durch Christenverfolgungen bedroht, spielte sich das Leben der frühchristlichen Gemeinden häufig im Verborgenen ab.

„In diesem Zeichen wirst du siegen!“

Die Wende kam mit Kaiser Konstantin. Vor Rom traf er mit seiner Armee auf die weit größere Streitmacht seines Rivalen Maxentius. Der Legende nach soll ihm in der Nacht vor der Schlacht – je nach Quelle – entweder ein flammendes Kreuz oder ein Christus-Symbol, bestehend aus den miteinander verbundenen Zeichen „X“ und „P“, erschienen sein, dazu die Inschrift „In diesem Zeichen wirst du siegen.“ Daraufhin habe er auf den Schilden seiner Soldaten das Christus-Symbol anbringen lassen. Was immer davon wahr ist – Konstantin schlug die gegnerischen Truppen vernichtend, Maxentius ertrank auf der Flucht im Tiber. Im folgenden Jahr, 313, erließ der neue Herrscher im Westen gemeinsam mit dem oströmischen Kaiser ein Toleranzedikt, das den Christen erlaubte, ihre Religion frei auszuüben.

Die Konzile als Richter in Glaubensfragen

Die Päpste waren zu dieser Zeit allerdings noch nicht allgemein als oberste Richter in Glaubensfragen anerkannt. Auf vom Kaiser einberufenen Konzilen entschieden Bischöfe aus dem gesamten Reich beispielsweise, ob Jesus nun wirklich Gott sei oder nur das vornehmste aller Geschöpfe.
 
Ende des 4. Jahrhunderts trennten sich die Wege von ost- und weströmischem Reich endgültig. Während sich der Osten zu einer eigenständigen Großmacht – dem Byzantinischen Reich – entwickelte, versank der Westen unter dem Ansturm germanischer Stämme im Chaos. 476 dankte Romulus Augustulus, der letzte weströmische Kaiser, ab. Das entstandene Machtvakuum bot den Päpsten die Gelegenheit, sich nicht nur als religiöse, sondern auch als politische Größe zu etablieren. Vor allem Papst Leo I. verschaffte im 5. Jahrhundert dem römischen Bischofssitz einen ungeheuren Zuwachs an Macht und Ansehen. Die Legende erzählt, dass Leo sogar den Hunnen-König Attila vom Marsch auf Rom abgehalten haben soll – was historisch allerdings nicht stimmt.
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