Tierwelt

Geister der Natur: Wie entstehen Albinos?

Weißes Fell, blasse Haut und rote Augen – Albinos umgibt eine besondere Faszination. Sie sind in einigen Regionen sogar heilig und gelten als Symbol der Weisheit. Welt der Wunder untersucht, wie die schaurige Schönheit dieser Wesen zustande kommt.

weiße Albino-Schlange

© iStock/iluhanos

Weißes Fell, blasse Haut und rote Augen – ein wenig gruselig sehen Albinos schon aus. Dabei sind sie in einigen Regionen sogar heilig: In Indien wird eine Albino-Kuh als Gottheit verehrt, weiße Elefanten bringen in Thailand Glück für den König und dessen Volk, und einige Indianerstämme glauben, dass weiße Büffel ein Symbol der Weisheit seien. Selbst in Deutschland hält sich der Aberglaube unter Jägern, dass das Erschießen eines Albino-Rehs Unglück bringt.

Schuld ist ein fehlendes Gen

Schuld am Aussehen der Albinos ist ein fehlendes Gen. Dieses produziert normalerweise den Hautfarbstoff Melanin. Ohne das Gen kommt es zu einer Stoffwechselstörung der Pigmentzellen – die Folge: helles Fell beziehungsweise Gefieder, rote Augen und rosa Haut. Hinzu kommt, dass Albinos eine hohe UV-Empfindlichkeit haben und schneller an Hautkrebs erkranken als Tiere ohne Gendefekt. Viele Albinos leiden auch unter einer starken Sehschwäche. Der Grund: Der Iris fehlen ebenfalls Pigmente, wo durch es zu einer Unterentwicklung des Sehnervs kommt.

Albinismus ist selten – nur wenn beiden Eltern das verantwortliche Gen fehlt, können Albino-Kinder gezeugt werden. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit dafür sehr niedrig: Bei Menschen liegt sie bei eins zu zwanzigtausend, bei Tieren hängt es von der jeweiligen Rasse ab. So ist ein Albino-Pinguin mit einer Wahrscheinlichkeit von eins zu einer Million wirklich selten, wohingegen Albino-Wildschweine oder Albino-Nagetiere (eins zu fünfhundert) häufiger vorkommen.

Albinos haben es schwer

Albinos haben es sehr schwer in freier Wildbahn. Viele der Tiere werden von ihren eigenen Artgenossen ausgrenzt, verletzt oder sogar getötet. Oft erreichen sie nicht einmal das Erwachsenenalter. Auch die Tarnung vor natürlichen Feinden fällt ihnen wegen der hellen Fellfarbe schwer, und Partner finden sie unter ihren Artgenossen selten. Manche Tierarten aber schützen ihre Albinos und sorgen für sie – wie zum Beispiel Rehe oder Kängurus.

Doch der größte Feind der Albinos ist die Sonne. Aufgrund ihrer hellen Haut erkranken sie häufiger an Hautkrebs und sterben daher im Durchschnitt deutlich früher als ihre farbigen Artgenossen. Zum Schutz werden Albinotiere, die in Zoos oder Reservaten leben, mit Sonnenschutz eingecremt. In freier Natur suchen sie den Schatten, da die Schmerzen eines Sonnenbrandes sehr groß sind.

Nicht nur die geringe Lebenserwartung macht den Albinos zu schaffen, auch die Jagd durch Wilderer ist ein Problem für sie. Deshalb befinden sich die meisten Albinotiere in menschlicher Obhut. So lebte der Gorilla „Snowflake“ 37 Jahre lang als Wahrzeichen im Zoo von Barcelona. Damit wurde er deutlich älter als seine Artgenossen ohne Gendefekt im Dschungel: Deren durchschnittliche Lebenserwartung beträgt lediglich 25 Jahre.
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