PLAGIATE

Innovation vs. Imitation: Die dreisten Kopien der Produktfälscher

Schneller, bequemer, billiger: Schnäppchenjäger sind vor allem im Internet unterwegs – stets auf der Suche nach reduzierten Angeboten. Das Problem: Produkt- und Markenpiraterie breitet sich vor allem bei Online-Angeboten aus. Der Negativ-Preis „Plagiarius“ entlarvt jedes Jahr die dreisten Kopien.

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Globalisierung, digitale Kommunikation, das Internet und leichtgläubige Kunden – das sind die Haupttreiber für die explosionsartige Ausbreitung von Produkt- und Markenpiraterie. Dabei sind Plagiate und Fälschungen weder Kompliment noch Kavaliersdelikt. Während es für Fälscher ein extrem lukratives Geschäftsmodell darstellt, sind die (Image-)Schäden für die Originalhersteller enorm. Von den Sicherheitsrisiken für Verbraucher ganz zu schweigen. 

Industrie, Politik und Verbraucher sensibilisieren

Das Problem: Solange Nachfrage für kopierte Waren besteht, wird diese auch bedient. Eine praxisnahe Aufklärung der Verbraucher ist wichtig. Um diese zu fördern, wurde der Negativ-Preis „Plagiarius“ vom Designer Prof. Rido Busse ins Leben gerufen. Seit mittlerweile 40 Jahren zeichnet der gefürchtete Schmäh-Preis Hersteller und Händler besonders dreister Plagiate und Fälschungen aus. Die Trophäe: Ein schwarzer Zwerg mit goldener Nase. Er soll als Symbol für die exorbitanten Gewinne stehen, die die Nachahmer sprichwörtlich auf Kosten kreativer Designer und innovativer Hersteller erwirtschaften. 

Vierzig Jahre „Plagiarius“ bedeuten rund 400 Preisträger-Produkte und mehr als 1.600 eingereichte Plagiatsfälle. Prämiert wurden Produkte der unterschiedlichsten Branchen: Haushaltwaren, Sanitärprodukte, Werkzeuge, Möbel, Schreibwaren, Kinderspielzeug, Parfums, Schmuck, technische Geräte, u.v.m. 

Damit die abschreckende Wirkung nicht ausbleibt, weist die jährlich wechselnde Plagiarius-Jury alle Preisträger auf die Nominierung hin, die damit die Möglichkeit zur Stellungnahme erhalten. Neben allgemeinen fallbezogenen Informationen fließen auch diese Reaktionen mit in die Bewertung ein. Aus Angst vor öffentlicher Blamage haben über die Jahre hinweg zahlreiche Nachahmer noch vor der Jurysitzung eine Einigung mit dem Originalhersteller gesucht und es wurden z. B. Restbestände der Plagiate und Fälschungen vom Markt genommen, Unterlassungserklärungen unterschrieben oder aber Lieferanten preisgegeben. 

Gesetz vs. Moral

Die Aktion Plagiarius e.V. möchte ausdrücklich vor allem auf die Schäden betroffener Firmen und die Risiken für Verbraucher aufmerksam machen. Die Auszeichnung sagt nichts darüber aus, ob das jeweilige nachgemachte Produkt im juristischen Sinne erlaubt oder aber rechtswidrig ist. Das hängt von vielen Faktoren ab, wie z.B. eingetragenen gewerblichen Schutzrechten für das Originalprodukt oder unlauterem Wettbewerbsverhalten seitens des Nachahmers. 

Der Gesetzgeber selbst formuliert beim sogenannten Prinzip der „Nachahmungsfreiheit“, dass (technischer) Fortschritt nur möglich ist, wenn bereits bestehende Erfindungen „als Grundlage oder Inspiration für neue Produkte“ dienen können. Somit legitimiert das Gesetz keine Produkte, die dem Original so stark ähneln, dass Verwechslungs- oder Täuschungsgefahr besteht. In diesem Zusammenhang betont die Aktion Plagiarius, dass legale Wettbewerbsprodukte – die einem Trend folgen, sich aber optisch und technisch ausreichend vom Original unterscheiden – keine Auszeichnung mit dem „Plagiarius“ fürchten müssen. Denn diese sind ausdrücklich erwünscht, weil sie fairen Wettbewerb beleben.
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