TIERWELT

Natürliche Untreue: Wie Tiere es mit Monogamie halten

Schwäne, heißt es oft, lieben sich ein Leben lang – aber sind sie auch treu? Auch Seepferdchen, Affen oder Pinguine leben nicht wirklich monogam. Klingt unromantisch, ist aber ein schlauer Schachzug der Evolution.

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„Du und niemand anders mehr. Für den Rest meines Lebens!“ Die Vorstellung, mit einem Partner alt zu werden, wird oft als schönste und reinste Form der Liebe gesehen. Aber natürlich ist sie nicht – in freier Wildbahn ist ewige Treue eine Rarität. Und seit sich eindeutig belegen lässt, welches Tier der biologische Vater ist, zeigt sich: Selbst Arten, die man für relativ monogam gehalten hatte, sehen es mit der Treue nicht so genau.

Schwäne zum Beispiel verbringen zwar durchaus ihr Leben mit einem einzigen Sozialpartner – so bezeichnen Verhaltensforscher den Partner, mit dem Schwäne zusammenbleiben, den Nachwuchs großziehen und alt werden. Doch neben ihrem Sozialpartner haben Schwäne sogar häufig andere Sexualpartner. Mit diesen gelegentlichen Affären sorgen die Tiere für eine größere genetische Vielfalt. Etwa jedes sechste Schwanenbaby wird seinem Vater so als Kuckuckskind untergejubelt.

Gelegenheit macht Liebe

Auch Seepferdchen nehmen es mit der sexuellen Treue nicht so genau. Die Balz wirkt zunächst noch sehr romantisch: Männchen und Weibchen schwimmen eine Weile mit ineinander gehakten Schwänzen nebeneinander her, bevor sie zum Akt übergehen. Doch im Durchschnitt beglückt ein Seepferdchen 25 Partner pro Tag. Knapp ein Drittel dieser Interaktionen ist dabei gleichgeschlechtlicher Natur. Forscher erklären sich dieses wilde Treiben mit den Lebensbedingungen der Tiere: In Aquarien leben oft viele Tiere auf relativ engem Raum, im Meer hingegen ist es eher selten, dass zwei Seepferdchen sich begegnen. Denn auf einer Fläche von fünfzig Kubikmetern lebt durchschnittlich nur ein einsames Seepferdchen – das folglich jede Gelegenheit ergreift, mit seinen Genen die Weltmeere zu bevölkern.
Pinguine sind für ihre außergewöhnliche Aufgabenteilung bekannt: Papa und Mama wechseln sich beim Ausbrüten des Nachwuchses ganz fair ab. Solange die Brutzeit läuft, sind Pinguineltern aufeinander angewiesen und in dieser Zeit auch treu. Die Monogamie hält jedoch nur etwa ein Jahr: In der nächsten Saison paaren die Kaiserpinguine sich neu. Wissenschaftler sprechen in diesem Fall von einer „seriellen Monogamie“. Die Pinguine gehen zwar nicht fremd, bleiben aber auch nicht, wie lange vermutet, einem Partner ihr Leben lang treu. Denn so können die Tiere die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass ihre Gene auf folgende Generationen übertragen werden. Wenn ein Weibchen etwa eine Fehlgeburt erleidet oder ein Männchen sich als zeugungsunfähig erweist, gibt es im darauffolgenden Jahr eine neue Chance auf gesunden Nachwuchs.

Schlauer Schachzug der Evolution

Die Weißhandgibbons wiederum galten bis ins Jahr 2010 als Vorzeigemonogamisten – als Menschenaffen sind sie uns genetisch weitaus ähnlicher als ein Schwan oder ein Seepferdchen. Dann allerdings entdeckten Biologen im thailändischen Nationalpark Khao Yai, dass die Weibchen fremdgingen. Was zunächst als Einzelfall belächelt wurde, entpuppte sich bald als evolutionärer Schachzug: In Gibbonpopulationen leben die Männchen sozial monogam. Die Weibchen sind räumlich voneinander getrennt – es ist den Männchen also ein Leichtes, der Nachbarin gelegentlich einen Besuch abzustatten, ohne dass die Gattin etwas bemerkt. Auch die Weibchen nutzen jedoch die Vorteile dieser „offenen Beziehung“: Normalerweise ist Kindsmord unter Affen keine Seltenheit, etwa wenn sich ein Männchen hintergangen oder in seinem Revier bedroht fühlt. Wenn sich die Männchen jedoch nie sicher sein können, ob die Kinder nicht möglicherweise ihr eigener Nachwuchs sind, verschonen sie sie.

Übrigens: Auch in der menschlichen Gesellschaft war Monogamie lange Zeit nicht üblich. Bis westliche Kolonialherren die Erde bereisten und missionierten, lebten etwa 85 Prozent aller Naturvölker in polygamen Beziehungen.
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