LEBENSMITTELINDUSTRIE

Sagt mein Essen die Wahrheit?

Umfragen zeigen, dass 80 Prozent der Verbraucher ihren Lebensmitteln blind vertrauen. Ein Fehler! Im wdw-Labor finden wir heraus, was in unserem Essen wirklich drinsteckt.

© iStock-Monika-Wisniewska

Woraus bestehen eigentlich Lebensmittel? Natürlich aus Fetten, Proteinen oder Kohlenhydraten, die den Energiewert ausmachen; aus Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen. So weit, so klar. Weniger bekannt ist, dass Essen nicht nur Nährstoffe, sondern auch Informationen enthält. „Jedes Nahrungsmittel ist wie eine Datei, in der eine Vielzahl verschiedener Informationen gespeichert ist“, erklärt die Ernährungswissenschaftlerin Anja Krumbe. Wenn wir also etwas essen, öffnen wir diese Dateien mit dem zuständigen Betriebssystem unseres Körpers – dem Stoffwechsel.

Kann man unseren Körper hacken?

Jetzt passiert etwas, das sich durchaus mit den Vorgängen auf einer Computerfestplatte vergleichen lässt. Es kommt zunächst zu einem Informationsaustausch. Ein einfaches Beispiel: Wir essen Schokolade. Die Geschmacksinformationen (süß und cremig) signalisieren die Ankunft von zwei wichtigen Energieträgern: Fett und Zucker. Darauf stellt sich der gesamte Stoffwechsel des Körpers ab dem Moment ein, wenn die Zunge diese Informationen aus der Schokoladen-Datei herausgelesen hat. Das ist unter anderem deshalb wichtig, weil der Energiebedarf des Körpers immer im Voraus kalkuliert und organisiert werden muss. Nur so funktioniert eine angemessene Energieversorgung, ohne etwa Überschüsse zu produzieren. 
Anders gesagt: Dieses System trägt maßgeblich dazu bei, dass wir normalerweise nur so viel essen, wie wir brauchen, und nicht mehr. Doch wie ein mit dem Internet verbundener Computer ist auch der Stoffwechsel unseres Körpers immer neuen Gefahren ausgesetzt. Solange die Dateien „sauber“ sind, gibt es keine Probleme. Häufen sich aber Fehlinformationen, unlesbare Dateien und der Befall von Viren und Trojanern wird es problematisch. Man ahnt es: „Saubere Dateien“ für den Körper sind unverfälschte und möglichst unbehandelte Grundnahrungsmittel. Die Daten eines Apfels, von Haferflocken oder Fischfilets sind unserem Stoffwechsel seit Jahrtausenden bekannt. Doch die Nahrungsmittelindustrie fügt über Aromastoffe, Weichmacher, Farbstoffe, Geschmacksverstärker ständig neue Codes hinzu, die der Stoffwechsel nicht einordnen kann. 

Es geht aber nicht nur um falsche Signale. Die reine Datenmenge wird zunehmend zum Problem: Viele industriell hergestellte Lebensmittel enthalten eine so große Anzahl an verschiedensten Zusatz- und Aromastoffen, dass der Körper sie nicht alle verarbeiten kann. Doch auch die Lebensmitteldaten, die unser Stoffwechsel auswerten kann, bergen Risiken. Immer wieder schlüpft ein unerwünschtes Programmteil hindurch. So, wie an einer Staatsgrenze Einreisebestimmungen gelten, aber trotzdem immer wieder potenzielle Terroristen und gesuchte Verbrecher über die Grenze gelangen, funktionieren auch die Einreisegesetze unseres Körpers nicht immer. 

Terrordatenbank für den Körper 

Und hier sollte eigentlich eine Terrordatenbank ins Spiel kommen. Denn mehrere Behörden (Bundesinstitut für Risikobewertung, Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit) prüfen die Gefährlichkeit der Terroristen in unserem Essen. Was sie nicht verbieten, sollte bis zu den festgelegten Höchstwerten unbedenklich sein. Aber das Zusammenwirken mehrerer Zusatzstoffe, wie es bei fast allen Lebensmitteln vorkommt, wird hier kaum untersucht. Kein Wunder – denn die Lebensmittelindustrie ist einer der weltweit mächtigsten Industriezweige. In Deutschland wurden 2015 mit Lebensmitteln circa 190 Milliarden Euro umgesetzt, das entspricht dem sechsfachen Etat des deutschen Verteidigungshaushalts. Und genau so, wie Militärs ihre Geheimnisse schützen, versucht die Lebensmittelindustrie, „Dinge zu verschleiern“, sagt FRoSTA-Vorstandschef Felix Ahlers – zum Leidwesen von Millionen Kunden …
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