LUFTVERSCHMUTZUNG

Smog Free Tower: Die Luft ist rein!

Um der gesundheitlichen Belastung durch Feinstaub entgegenzusteuern, hat Daan Roosegaarde einen Luftreiniger für Städte entwickelt: den Smog Free Tower.

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Qualmende Industrieschlote, laufende Heizungen bei offenen Fenstern, stundenlange Staus während der Rush-Hour: Mit der industriellen Revolution und der Erfindung des Dieselmotors atmen besonders Stadtbewohner zunehmend schlechtere Luft ein. Zwar sorgen gesetzliche Vorschriften, wie die Feinstaubplakette, in den letzten Jahren dafür, dass die Luft in Europa sauberer wird, doch sie allein reichen nicht aus, um die Bevölkerung weltweit vor einer sich ausbreitenden Feinstaubbelastung zu schützen. So setzen besonders in Russland, Europa, der Türkei und Japan die Verbrennung von Biomasse und die Emissionen der Landwirtschaft der Luftqualität stark zu. In Asien verursachen heimische Holzöfen - beim Kochen und Heizen - viel Smog und stellen somit eine große Gefahrenquelle dar, wie eine neue Studie des Max-Planck-Instituts für Chemie in Mainz zeigte.

Diesen Zustand nahm der niederländliche Künstler und Erfinder Daan Roosegaarde zum Anlass für eine bahnbrechende Erfindung. Eigentlich ist Roosegaarde eher bekannt für spektakuläre Lichtinstallationen und Designs, die Mensch und Technologie in einer futuristischen Beziehung miteinander verbindet – so wie die Smart Highways, intelligente Fahrbahnen, die mit interaktiven Lampen versehen sind und sich je nach Verkehrssituation farblich anpassen. Doch die Tatsache, dass allein die Menschen in seinem Heimatland aufgrund der Luftverschmutzung im Durchschnitt neun Monate kürzer leben, ließ Roosegaarde keine Ruhe und so macht er sich an die Konzeption des größten Staubsaugers der Welt.

So funktioniert der Smog Free Tower

Der erste lamellenbesetzte Smog Free Tower ist sieben Meter hoch, 3,5 Meter breit und wurde am 5. September 2015 in Rotterdam in Betrieb genommen. Er funktioniert über eine patentierte Ionisierungstechnologie, bei der Luft eingesaugt wird, der darin enthaltene Feinstaub über Kupferspulen elektrisch aufgeladen und von Filtern anschließend gebunden wird.

Ganze 30.000 Kubikmeter Stadtluft pro Stunde saugt der Riesenstaubsauger über eine Öffnung am oberen Ende auf und stößt sie gereinigt über die Lamellen an den breiten Seiten wieder aus. Das Ergebnis ist eine 60 Meter umspannende Smog-freie Blase. Dabei benötigt der Turm weniger Energie als ein Wasserkocher, die er wiederrum ressourcenschonend über Wind generiert.

Was passiert mit dem gesammelten Feinstaub?

Die eingefangenen Schmutzpartikel aus der Luft werden später nicht einfach entsorgt, sondern zu ganz besonderen Andenken umgewandelt: den Smog Free-Schmuckstücken. Dazu wird der Feinstaub komprimiert und in kleine, durchsichtige Würfel gegossen, die das Team um Roosegaarde als Zierde auf Ringen und als Manschettenknöpfe einsetzt. Diese kosten je nach Variante zwischen 50 und 250 Euro.

Mit dem Kauf eines Rings spendet der Besitzer umgerechnet etwa 1.000 Kubikmeter saubere Luft. Bis Mitte September lief eine Kickstarter-Kampagne, bei der das Projekt über die sogenannte Schwarmfinanzierung Unterstützung in Form von Geldgebern gesucht hat. Das bescheidene Ziel von 50.000 Euro war schnell erreicht und wurde sogar weit überschritten. Über 110.000 Euro konnte mit der Crowdfunding-Kampagne generiert werden.

Ein Turm reist um die Welt

Das ermöglichte Roosegaarde nicht nur, den Prototypen in Rotterdam zu finanzieren. Auch sein Wunsch, Smog Free Towers auf der ganzen Welt zu verteilen, rückte durch den Erfolg der Kampagne ein kleines Stück näher. So soll der Prototyp zeitweise unter anderem in Mexiko City, Los Angeles, Peking und Mumbai aufgestellt werden. Laut Daan Roosegaarde könnten dann schrittweise auch fest installierte Türme folgen – bis zu zehn seien in den nächsten Jahren möglich.

„Wir Menschen haben Maschinen entwickelt, um uns selbst voranzubringen. Wir haben das Rad und Autos erfunden, um uns freier zu fühlen und um zu reisen. Aber nun schlagen diese Maschinen zurück und verpesten die Luft in dicht besiedelten Städten wie Peking. Ich bin der Ansicht, dass wir mehr und nicht weniger dafür tun sollten, moderne Städte wieder lebenswert zu machen“, beschreibt der Künstler seine Motivation und sein Ziel. Bleibt zu hoffen, dass er mit seiner Erfindung  dem Traum von einer sauberen Luft in Städten langfristig ein großes Stück näher rückt.

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