Botanik

Tree of 40 Fruit: 1 Baum, 40 verschiedene Früchte?

Künstler und Universitätsprofessor Sam van Aken arbeitet an einem Baum, der bis zu vierzig verschiedene Früchte tragen soll. Was steckt hinter dem farbenprächtigen „Tree of 40 Fruit“?

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Behutsam schneidet Sam van Aken eine Knospe samt einem Stück Rinde aus einem Nektarinenzweig und setzt sie in den dafür passend zugeschnittenen Ast eines filigranen Kirschbaums. Schnell umwickelt er die transplantierte Stelle mit einem Klebeband und widmet sich der nächsten Knospe. Auf diese Weise veredelt er den kleinen Baum an vielen Stellen - und das nicht nur mit Nektarinen. Auch Knospen verschiedener Pflaumensorten und sogar von Mandeln verbindet er mit dem Kirschbaum. Nach der OP hat dieser nun Zeit, seine Wunden über den Winter zu heilen. Dann nämlich haben sich die Gefäße der fremden Pflanzen verbunden und die Knospen beginnen im Frühjahr zu wachsen.

Seit einigen Jahren arbeitet der New Yorker Kunstprofessor an einem aufwendigen Projekt, das er The Tree of 40 Fruit - also den Baum der 40 Früchte - nennt. Was diesen Baum so besonders macht? Er vereint das, was für gewöhnlich nur ganze Obstgärten schaffen – nämlich eine Auswahl an vielen verschiedenen Früchten. Bis zu 40 Sorten sollen an seinen Zweigen und Ästen wachsen.

Angefangen hat alles mit einer vagen Idee und der Suche nach verschiedenen Steinfrüchten. „Nachdem ich New York durchkämmte und nur eine Handvoll Züchter fand, die tatsächlich Steinobst anbauten, wurde mir bewusst, in welchem Ausmaß wir auf Monokulturen ausgerichtet sind“, berichtet der Künstler während seiner Präsentation bei TEDxManhatten, einer lokalen Plattform für das Teilen von Ideen und Innovationen. Zwar gäbe es über 1.000 Sorten an Steinobst, doch sei in der Regel nur ein Bruchteil davon in Supermärkten zu finden, so van Aken. Der Grund: Viele von ihnen sind nicht über längere Zeit haltbar und somit für die Lebensmittelindustrie uninteressant.

Ein Obstgarten brachte den Stein ins Rollen

Doch dann erfuhr van Aken im Jahr 2008 von einem Obstgarten in Geneva, New York, dessen Bäume die verschiedensten Steinfrüchte trugen. Das Besondere: Teilweise waren Früchte darunter, die heutzutage gar nicht mehr angebaut werden. Allerdings stand die Obstplantage kurz davor, geschlossen zu werden, weil das Geld fehlte. Die Folge: Die dort wachsenden Früchte würden peu à peu aussterben. Für van Aken unvorstellbar – daher entschied er sich, den Obstgarten zu kaufen. So begann der Sprössling einer Bauernfamilie, aus einer Sammlung von über 250 Steinfrüchten einen Baum zu erschaffen, wie es ihn noch nie zuvor gab.

„Zwischen den Jahren sieht der Baum wie ein ganz normaler Baum aus – bis es dann Frühling wird und die Knospen in den verschiedensten Pink-, Weiß- und Purpurtönen aufblühen“, sagt Sam van Aken. Fangen die Früchte an zu wachsen, sollen die Bäume nach etwa zehn Jahren bis zu 40 verschiedene Sorten an Aprikosen, Nektarinen, Pfirsichen, Pflaumen, Kirschen und Mandeln tragen. Nach fünf bis sechs Jahren sieht man erste Ergebnisse – und diese sind bereits vielversprechend.

Die Dreifaltigkeit des Baums der 40 Früchte

Van Aken nennt drei Gründe für seine Leidenschaft: Neben dem Erhalt der Artenvielfalt wirkt der Tree of 40 Fruit mit seinen bunten Farben wie ein einzigartiges Kunstwerk. Außerdem stelle er einen umfassenden Zeitstrahl dar, der die verschiedenen Blütezeiten der Bäume im Verhältnis zueinander widerspiegelt.

Bislang stehen die meisten transplantierten Bäume an der Ostküste der USA. Doch van Aken will die gezüchteten Bäume über die ganzen USA verteilen, damit die verschiedenen Sorten erhalten bleiben und so auch die Vielfalt der Regionen fördern. 

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