Ressource Holz

Versunkene Wälder: Wie Bäume unter Wasser gefällt werden

Holz wird seit einigen Jahren auch unter Wasser gewonnen: In Stauseen werden versunkene Bäume geschlagen und an Land geschafft. Möglich macht das ein ferngesteuerter Sägeroboter. Das Holz aus dem Wasser ist mittlerweile sehr begehrt.

Bäume unter Wasser

© iStock/JOETEX1

Wenn Stauseen entstehen, gehen oft ganze Wälder unter. Forscher schätzen, dass sich weltweit rund 300 Millionen Bäume unter Wasser befinden. Für die Holzwirtschaft waren sie bisher damit verloren – denn es war technisch zu anspruchsvoll und zu teuer, Bäume im Wasser zu schlagen. Neue Technik macht das jedoch möglich: Spezielle Sägeroboter wie der „Sawfish“ packen die Stämme unter Wasser und trennen sie mit einer Kettensäge ab.

Bisher sind gerade mal ein Handvoll solcher Maschinen im Einsatz. Doch die Nutzung könnte sich lohnen: Wegen seiner Qualität und besonderen Farbe ist das Holz aus den Stauseen heiß begehrt. Die Bäume sind gut konserviert, denn in dem kühlen und nährstoffarmen Wasser verrotten sie nur sehr langsam. Auch droht in dem See kein Befall durch Insekten oder Pilze. Das Holz ist qualitativ sogar besser als das an Land – und hat einen besonderen Farbton, der heiß begehrt ist.

Ferngesteuerter Sägeroboter auf Tauchfahrt

Bis weit ins 20. Jahrhundert war das Holzfällen gefährliche Schwerstarbeit. Die Arbeiter mühten sich in den Wäldern mit Äxten und Zugsägen ab, und für den Abtransport der Baumstämme mussten eigens dafür gebaute Rutschen helfen. Über Bergbäche floss das Holz dann weiter talwärts. Schleusen wurden geöffnet, so dass die Flut die tonnenschwere Fracht mit sich riss. Allerdings verkeilten sich die Baumstämme immer wieder in den schmalen Bergbächen und mussten dann mühsam wieder befreit werden – ein lebensgefährliches Unterfangen. Zum Glück vereinfachen seit den sechziger Jahren Kettensägen die Waldarbeit. Ein geübter Forstwirt kann mit ihnen bis zu 35 Bäume am Tag fällen.
Die modernen Sägeroboter von heute schaffen sogar bis zu hundert Bäume pro Tag – und das unter Wasser. Der „Sawfish“ wird dazu per Fernsteuerung von einem Floß aus gelenkt. Eine heikle Angelegenheit, denn ein Steuerfehler im trüben Wasser könnte die 1,5 Millionen Dollar teure Maschine stark beschädigen. Das so genannte Hebesacksystem sorgt dafür, dass ein abgesägter Baumstamm nicht auf den Grund des Sees sinkt, sondern an die Oberfläche steigt. Vom Roboter mit einem Bolzen am Stamm befestigt, füllt sich der Hebesack wie ein Schwimmflügel mit Luft und zieht den gefällten Baum nach oben. Nun treibt er an der Wasseroberfläche und wird von einem Schlepper eingesammelt.

Mittlerweile werden Sägeroboter weltweit in Seen eingesetzt, zum Beispiel in Kanada oder Malaysia. Bis zu fünfzig Milliarden US-Dollar, schätzen mache Experten, ist das Holz auf dem Grund der Seen wert. Und: Sicherer werden die Gewässer dadurch auch. Denn sind die Wälder einmal gestutzt, können Schiffe nicht mehr in den Baumwipfeln hängenbleiben.
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