DYNASTIE

Zum Erfolg verpflichtet, zum Scheitern verurteilt? Das Schicksal der Kennedys

Keine Familie der USA stand über Jahrzehnte hinweg so sehr im Rampenlicht wie die Kennedys. Doch so glamourös wie ihr Leben scheint, so seltsam ist das Schicksal, das viele ihrer Mitglieder über die Zeit ereilt: Skandale, Mordanschläge und tödliche Unfälle säumen den Weg der Familie.

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1968: Robert F. Kennedy, der Bruder des ermordeten US-Präsidenten John F Kennedy, hat die Vorwahlen zur Präsidentschaftskandidatur der Demokraten in Kalifornien gewonnen. Viele sehen in „Bobby“ schon den Nachfolger seines Bruders John. Doch so weit kommt es nicht: In der Nacht vom 4. auf den 5. Juni fallen Schüsse auf den Mann, der jetzt an die politische Spitze der USA will. Am 6. Juni erliegt er seinen Verletzungen. So schockierend das Attentat ist – es wird rückblickend nur ein Schicksalsschlag von vielen in der Familiengeschichte der Kennedys sein. Es werden so viele hinzukommen, dass man bald munkelt, ein Fluch läge auf dem Clan.  

Gewehrkugeln und Flugzeugabstürze

Ihren Anfang nimmt die seltsame Reihe von Todes- und Vorfällen bereits im Jahr 1944, als Joseph P. Kennedy, der ältere Bruder von John und Robert, im Zweiten Weltkrieg fällt. Vier Jahre später kommt die Schwester Kathleen bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. 1963 trauern John F. und Jackie Kennedy um ihren Sohn, der kurz nach seiner Geburt stirbt. Am 22. November desselben Jahres dann das Drama: US-Präsident John F. Kennedy wird in Dallas durch Gewehrkugeln ermordet. Die Großfamilie verliert ihr wohl schillerndstes Mitglied bei einem Mordanschlag.
 
Johns Bruder, Edward M. Kennedy, überlebt 1964 einen Flugzeugabsturz, bei dem zwei seiner Begleiter umkommen. Fünf Jahre später sitzt er bei einem Autounfall am Steuer, bei dem seine Beifahrerin stirbt. Zuvor waren sie auf einer Party – bei dem Crash ist Alkohol im Spiel. Drogen sind keine Seltenheit in der Familie: So stirbt Robert F. Kennedys Sohn David Anthony Kennedy 1984 an einer Überdosis Kokain. Schließlich, 1997, stirbt dessen Bruder Michael Kennedy, an den Folgen eines Skiunfalls. Zwei Jahre später stürzt John F. Kennedy Jr. mit seiner Frau Carolyn und seiner Schwägerin mit dem Flugzeug ab, bei dem sie alle drei sterben – am Steuer hatte er selbst gesessen. 

Mysteriöser Fluch oder eigene Schuld? 

Liegt auf der Familie Kennedy tatsächlich ein Fluch? Oder sind die Todesfälle anders zu erklären? Fest steht: Die Kennedys sind immer risikofreudig gewesen. Ihr Vater, Joseph P. Kennedy, hat seine Kinder zu Draufgängern, zu Siegertypen, erzogen und sie immer ins Rampenlicht gedrängt. Joseph will keine Verlierer in der Familie haben – daraus macht er keinen Hehl. Die Kinder einst armer, irischer Einwanderer sollen es in Amerika besser haben, es zu etwas bringen. So stachelt der Vater jeden einzelnen Spross zu Höchstleistungen an, fordert vollen Einsatz. Die Erwartungshaltung ist immens – und die Fallhöhe hoch. Oft geht der Ehrgeiz mit Selbstüberschätzung einher: So ist vielleicht auch zu erklären, warum John F. Junior bei schlechtesten Sichtverhältnissen und mit nur wenigen Flugstunden seine Maschine übers offene Meer steuert und abstürzt.
 
Viele Familienmitglieder kommen mit dem Druck und dem Leben in der Öffentlichkeit nicht zurecht, flüchten sich in den Drogenkonsum. Aber nicht immer kommt die Abhängigkeit ans Licht: John F. Kennedy ist fast sein ganzes Leben lang krank, doch seine ständigen Rückenschmerzen, sein Asthma, die Müdigkeit und Allergien passen nicht ins Bild eines US-Präsidenten. Zeit seines Lebens vertuscht er seine Medikamentensucht.
 
Nicht zuletzt hatte die Glamour-Familie viele Neider und Feinde: John und Robert etwa hatten während ihrer politischen Karriere mit vielen Widernissen zu kämpfen. Bis heute halten sich viele Theorien, beispielsweise dass sie der Mafia zu unbequem geworden waren, oder dass sie der CIA im Weg standen. Roberts Mörder – noch an Ort und Stelle festgenommen – werden später für schuldig befunden und verurteilt. Verschwörungstheoretiker behaupten aber bis heute, dass bei dem Anschlag mehr Schüsse gefallen wären als in den Revolver des Attentäters gepasst hätten – es müsste also einen zweiten Attentäter gegeben haben. 

Ein Leben wie ein TV-Drama

Trotzdem: Wer in die Kennedy-Dynastie hineingeboren wird, der tritt ein schweres Erbe an. Auf ihm liegen so viele Blicke, dass es schwer, wenn nicht unmöglich ist, die Erwartungen zu erfüllen. Die Geschichte der Familie, so könnte man fast meinen, scheint dem Drehbuch einer amerikanischen Fernsehserie entsprungen zu sein: Schöne, erfolgreiche Menschen, große Dramen, manchmal vor, meist hinter der Bühne; da kommt es zu Skandalen, vermeintlichen Verbindungen zum organisierten Verbrechen, Intrigen, Affären. Doch: Es ist kein Drehbuch. Und so berauschend wie das Leben als Kennedy auch scheint, so schwer wiegt bis heute die Last des Namens auf den Schultern seiner Träger.
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